Geschichte

Ein Blick zurück: Entwicklung des Fernstudiums

Fernlehrgänge können auf eine bereits recht lange Geschichte zurückblicken. Schon im 19. Jahrhundert wurde der Faktor Bildung durch die zunehmende Industrialisierung immer notwendiger. Das Jahr 1856 kann als Geburtsjahr des Fernstudiums bezeichnet werden. In diesem Jahr wurde in Berlin zum ersten Mal ein Brieflehrgang für das Studium einer Sprache veröffentlicht, der als der erste Fernunterricht angesehen werden kann. Im Gegensatz zum Lernen in völliger Eigenregie schickte der Studierende schon damals die Unterlagen postalisch zur Korrektur wieder zurück. Hierdurch entstand ein enger Bezug zwischen Student und Lehrer, obwohl sie sich nicht persönlich sahen.

129370_5955Schon in den 1920er Jahren kam die Idee auf, nicht nur weitere Medien wie etwa den Rundfunk in das Studium mit einzubringen, sondern auch einen Universitätsabschluss durch das Studium erlangen zu können. Da es damals schwer zu realisieren war, die Prüfungen fern der Universität abzulegen, waren diese ersten Ansätze jedoch noch nicht sonderlich erfolgreich.

Zur Zeit des Zweiten Weltkriegs und auch schon während des Aufstiegs der Nationalsozialisten gab es zwar einzelne Bemühungen, Fernstudiengänge zu ermöglichen (zumindest in den 1930er Jahren), diese scheiterten jedoch überwiegend. Bis zu diesem Zeitpunkt verlief die Geschichte des Fernstudiums eher holprig und war vor allem in ihren Anfängen nicht von Erfolg gekrönt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg allerdings war der Werdegang des Fernunterrichts in Deutschland nicht mehr aufzuhalten. Er wurde immer gefragter, und so nahm die Bedeutung des Fernstudiums sowohl in der Bundesrepublik Deutschland als auch in der DDR stetig zu.

Dabei waren die Vorstellungen über ein Fernstudium nicht einheitlich. Ursache dafür war auch, dass Bildungsfragen größtenteils in der Hand der jeweiligen Bundesländer lagen und man somit nicht deutschlandweit entscheiden konnte. Im Jahre 1974 entschied sich das Bundesland Nordrhein-Westfalen schließlich dafür, die erste Fernuniversität zu errichten. Diese Universität – die Fernuniversität Hagen – genießt auch heute noch als Fernhochschule einen exzellenten Ruf. Damals stellte sie jedoch ein absolutes Novum in der Bildungslandschaft dar. In der Zeit davor gab es nur das bereits vor dem Ersten Weltkrieg eingerichtete, in Potsdam gegründete „Rustinsche Lehrinstitut für Selbstunterricht“. Gerade auch wegen der Abschlüsse, die der Studierende erwerben konnte, ließen sich beide Institute jedoch nicht miteinander vergleichen. Dennoch war es diese „Fernhochschule“, die die erste Zeitschrift verfasste, in der der Fernunterricht zum Thema wurde.

Das Fernunterrichtsschutzgesetz von 1977 stellt einen Meilenstein in der Geschichte des Fernunterrichts dar. Es schützt per Definition diese Art von Unterricht und bietet somit auch den Studenten einen Schutz. Laut diesem Gesetz werden beim Fernunterricht Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt, wobei Lehrender und Lernender meist oder immer räumlich getrennt sind, und der Lehrende die Lernfortschritte des Lernenden kontinuierlich überwacht. Genau darin liegt der Unterschied zwischen Fernunterricht und Selbstlernen, da Selbstlernen komplett ohne Hilfestellung von außen stattfindet. Alle Fernlehrgänge in Deutschland müssen nach diesem 1977 in Kraft getretenen Gesetz zugelassen sein. Die ZFU, die Staatliche Zentralstelle für Fernunterricht mit Sitz in Köln, entscheidet darüber, ob ein bestimmter Fernlehrgang zugelassen wird oder nicht. Hierzu muss ein Antrag eingereicht werden, der dann rechtlich und pädagogisch geprüft wird. Wenn ein Fernlehrgang zugelassen wird, erhält dieser eine Zulassungsnummer, die deutlich sichtbar im Infomaterial des Anbieters zu erkennen sein muss. Nur so können der Studierende und andere Interessenten sicher sein, dass es sich wirklich um einen zugelassenen Anbieter dieses Fernlehrgangs handelt. Da die Prüfung zur Zulassung eines Lehrgangs jedoch eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt, kann ein Anbieter seinen Lehrgang erst einmal vorläufig zulassen. Im Infomaterial dieses Anbieters muss dann allerdings darauf hingewiesen werden, dass der Lehrgang nur vorläufig zugelassen ist. Die relativ lange Dauer des Zulassungsverfahrens erklärt sich dadurch, dass erst einmal ausführlich geprüft werden muss, ob der Student das angegebene Lernziel wirklich erreichen kann. Hierfür wird nicht nur die Vermittlung des Lehrstoffs selbst geprüft, sondern auch, ob genug Bezug zur Praxis vorhanden ist, um die Qualität des Lehrgangs sicherzustellen. Zudem wird geprüft, ob alle Vorgaben des Fernunterrichtsschutzgesetzes eingehalten werden. Für den Studenten ist diese Qualitätskontrolle natürlich ein wichtiger Schutz. Sie trägt dazu bei, dass die deutschen Fernstudiengänge hinsichtlich ihrer Qualität weiterhin einen international guten Ruf genießen.