Geschichte

Zur Geschichte des Journalismus

Die Anfänge journalistischer Tätigkeiten liegen bereits in der römischen Antike. Schon damals wurden tagesaktuelle Informationen auf Informationsblättern unter den Bürgern verteilt. Bis zu 300 Schreiber arbeiteten in Rom für das Acta Diurna, welches auch inhaltlich einer modernen Tageszeitung bereits relativ nahe kam. Offizielle Informationen wurden gemeinsam mit aktuellen Nachrichten und unterhaltsamen Anekdotenveröffentlicht.

1110330_57736617Auch im Mittelalter wurden ähnlicheInformationsblätter auf größeren Handelsplätzen verteilt. Der deutsche Begriff Zeitung stammt ebenfalls aus dieser Zeit. Da die Blätter noch von Hand vervielfältigt werden mussten, blieben die Auflagen stets sehr gering. Erst mit der Erfindung der Druckerpresse konnten die Auflagen steigen, was jedoch in den ersten Jahrhunderten noch nicht zu einem großen Durchbruch des Journalismus führte. Dieser kam erst mit einer weiteren wichtigen Erfindung: dem Telegrafen.

Tagesaktuelle Nachrichten wurden erst wichtig für die Zeitungen, als solche auch aktuell über große Entfernungen transportiert werden konnten. Solange die Reisegeschwindigkeit von Informationen nicht höher war, als die eines Menschen, gab es nicht viele Informationen, die nach der Ankunft an ihrem Bestimmungsort noch relevant gewesen wären.

Mit der Erfindung des Telegrafen konnten Journalisten ganz neu definieren, welche Eigenschaften eine Nachricht ausmachen. Obwohl erste Anfänge des modernen Journalismus bereits im siebzehnten Jahrhundert ausgemacht werden können, kam mit dem Telegrafen eine entscheidende Wandlung des Selbstverständnisses der Zeitungsmacher.

Die ersten Darstellungsformen in den frühen Zeitungen etablierten die Textsorten des Kommentars und des Berichtes. Meist war die Nachrichtenübermittlung noch von persönlichen Meinungen und Interpretationen geprägt. Der Journalist war in den frühen Zeitungen noch ein Erzähler, welcher den Lesern seine Sicht der Welt nahebringen wollte.

Erst im 19. Jahrhundert entwickelte sich der Anspruch des objektiven Beobachtens. Journalisten sollten fortan die Nachrichten so neutral wie möglich niederschreiben, damit die Leser sich mithilfe der Zeitung eine eigene Meinung über das Geschehen in der Welt bilden konnten. Auch wurde die Aktualität zu einem wesentlich wichtigeren Faktor bei der Auswahl der Inhalte. Die zuvor noch alles in den Schatten stellende Relevanz geriet zeitweilig völlig in den Hintergrund. Doch nach wie vor unterschied der Journalismus sich von der Literatur in erster Linie durch die Faktizität. Fiktive Inhalte blieben stets den Romanciers und Geschichtenerzählern vorbehalten.

Eine weitere wichtige Entwicklung kam ungefähr zeitgleich mit der massenhaften Verbreitung auf Basis von telegrafischen Nachrichten auf: die Werbung. Einige sehr erfolgreiche Zeitungen blicken in ihrer eigenen Geschichte auf die Anfänge als Anzeigenblättchen zurück. Regionale Händler und Handwerker machten in Annoncen auf ihr Unternehmen aufmerksam. Damit die Kunden diese Blätter auch lasen, wurden sie mit Nachrichten sozusagen gewürzt. Gerade in diesem Bereich des Journalismus entwickelten sich ganz neue Anforderungen an die Auswahl der Inhalte. Die Relevanz für den Leser sollte gerade nicht in den Nachrichten, sondern in den Anzeigen zu finden sein. Informationen, welche die zukünftigen Handlungen der Leser beeinflussen konnten, waren demnach nur selten im redaktionellen Teil zu finden. Dieser setzte sich aus Boulevard-Nachrichten, weit entfernten politischen Entscheidungen und Geschichten von kurzem Interesse zusammen. Der Leser sollte sich sehr für die Inhalte interessieren, damit er das Blatt in die Hand nahm. Gleichzeitig sollten die Nachrichten aber auch nicht so sehr verstören, dass die Konzentration nicht mehr für die Werbeanzeigen ausreichte. „Sex and Crime“ wurden somit zu den wichtigsten Grundpfeilern dieser Zeitungsvariante.

Dem entgegen entwickelten sich die sogenannten Qualitätszeitungen, welche aber auch sehr bald über Werbeeinnahmen die Kosten für die einzelnen Ausgaben senkten. Hier sollte wieder die Relevanz der Nachrichten im Vordergrund stehen, auch wenn meist keine direkte Handlungsstrategie angeboten wurde. Gerade durch die Zeitungen in diesem Bereich wurde den Medien als sogenannter vierter Gewalt eine wichtige politische Macht zugeschrieben. In einer Demokratie, in der jeder Bürger auch das Recht hat, die Zusammensetzung des Parlamentes mit zu beeinflussen, wird es als wichtig anerkannt, dass diese Bürger auch korrekt informiert werden. Nachrichten über politische Entscheidungen sollen daher nicht allein von den beteiligten Politikern, sondern in erster Linie von neutralen Berichterstattern kommen. Nur so sehen die Befürworter des kritischen Journalismus die freie Entscheidungsfähigkeit der Bürger gewahrt.

Auch in anderen Bereichen soll die neutrale Berichterstattung gewährleisten, dass durch Konzerne oder andere mächtige Institutionen alle Gesetze und moralischen Vorstellungen der Gesellschaft gewahrt bleiben. Verstöße gegen diesen Grundsatz wurden nicht selten durch investigative, also ermittelnde Journalisten aufgedeckt.

Mit dem Aufkommen des Rundfunks und später des Internets schien sich zunächst nichts Grundsätzliches an den Ansprüchen, die an Journalisten gestellt wurden, zu ändern. Lediglich die Medien, über welche die Berichte und Nachrichten transportiert wurden, änderten sich. Allerdings zeigte sich schnell, dass die Übermittlung von Nachrichten nicht mehr die einzige Aufgabe von Journalisten sein konnte. Ginge es ausschließlich um die reine Übermittlung, würden neue Medien stets die alten ablösen. Das ist aber nicht der Fall. Das Radio kann Nachrichten schneller an die Zuhörer vermitteln, als die Zeitung an ihre Leser. Das Fernsehen kann sogar noch umfassendere Berichte liefern, weil zum reinen Text auch noch das Bild als Informationsträger zur Verfügung steht. Mit dem Internet schließlich ist der Leser selbst ebenso schnell an allen Informationen, wie der Journalist. Er verliert letztendlich seine Aufgabe als Informationsvermittler. Die neuen Aufgaben der Journalisten bewegen sich daher oft auch in den Bereichen Interpretation und Hintergrundwissen. Journalisten sammeln nicht mehr nur, sie sortieren und erklären die relevanten Informationen auch.

Journalismus ist im Grunde relativ unabhängig von den genutzten Medien. Seine erste Aufgabe ist die Vermittlung von Informationen, welche sowohl auf Papier als auch über Radio, Fernsehen oder Internet möglich ist. Gleichzeitig jedoch ist der Journalismus aufgrund der Entwicklung der Medien selbst in einem stetigen Wandel. Mit jedem neuen Kommunikationskanal entsteht für den Journalismus ein neuer Weg, sich selbst zu definieren. So hat zum Beispiel die Erfindung des Telegrafen, also der Informationsübermittlung in Lichtgeschwindigkeit, den Schwerpunkt des Journalismus von der Relevanz hin zur Aktualität verschoben. Während vorher Nachrichten vor allem dann auf den Weg geschickt wurden, um die Leser bzw. Zuhörer über Entwicklungen zu informieren, welche deren zukünftiges Leben direkt beeinflusste, waren später Informationen vor allem deswegen wichtig, weil sie neu waren. Mit der Erfindung des Fernsehens rückte auch die Bedeutung der Bilder mehr in den Mittelpunkt. Ereignisse, welche gefilmt werden können, ergeben interessantere Nachrichten als abstrakte Informationen.