Finanzierung

Finanzierung der Medien

Ob es um den Druck einer Zeitung, die Produktion einer Radio- oder Fernsehsendung oder die Programmierung einer Internetseite geht – es entstehen Kosten, die wieder eingespielt werden müssen, um das Nachrichtenangebot aufrecht erhalten zu können.

Bei den Zeitungen war die Werbeanzeige eines der ersten Finanzierungsmodelle. Die Ausgaben wurden kostenlos an die Leserschaft verteilt. Die Kosten für den Druck und die Arbeit der Reporter wurden von den Anzeigenkunden übernommen. Auch im Fernsehen und im Internet ist dieses Finanzierungsmodell sehr häufig zu finden. Die Geschäftsbeziehungen in diesem Modell hängen sehr stark von der Reichweite der jeweiligen Medien ab. Zeitungen haben eine Auflage, bei der recht gut ermittelt werden kann, wie viele Ausgaben tatsächlich von den Lesern angenommen wurden.

875252_17408338Bei Fernsehsendungen kann mithilfe eines statistischen Institutes die Quote ermittelt werden. Minutengenau kann der Redakteur einer Sendung sehen, wie viele Zuschauer gerade die Fernsehgeräte eingeschaltet hatten. Auch ein ungefährer Überblick über die Zusammensetzung des Publikums ist möglich.

Im Internet schließlich kann sogar sehr exakt gezählt werden, wie oft eine Seite aufgerufen wurde, wie lange der Leser den Text auf dem Bildschirm hatte und über welchen Weg die Seite wieder verlassen wurde. All diese Informationen dienen den Produzenten der redaktionellen Inhalte dazu, den Wert der Berichte für die Werbewirtschaft zu benennen. Je mehr Menschen ein Angebot annehmen, umso mehr Menschen können auch die Werbebotschaften wahrnehmen. Um sich nicht allein auf die Anzahl verlassen zu müssen, wurde zudem auch noch die sogenannte Zielgruppe erfunden. Menschen, die für eine bestimmte Werbebotschaft empfänglicher sind, werden als wertvoller eingestuft als solche, die für die werbenden Firmen uninteressant scheinen.

Der Preis einer Werbeanzeige bemisst sich seither in der zielgruppenspezifischen Quote, die ein Bericht erzielen kann. Der Vorteil dieser Finanzierung der Nachrichten ist die Möglichkeit, den Lesern und Zuschauern ein kostenloses oder zumindest kostengünstiges Angebot zukommen zu lassen.

Nachteile zeigen sich jedoch gleich mehrere. Zum einen macht der Journalismus sich von der Zustimmung der werbenden Unternehmen abhängig. Kritische Berichte über wichtige Werbekunden werden zu heißen Eisen, welche die Redaktionen nur ungern bearbeiten. Ein Bericht, welcher dem Unternehmen schadet, könnte zu erheblichen Einbußen der Finanzierung führen. Darunter leidet die Neutralität der Berichterstattung.

Des Weiteren ergibt sich durch die Fixierung auf die Quote auch eine weitere Verschiebung in der Auswahl der Inhalte. Informationen, welche für die Leser wichtig oder gar handlungsrelevant wären, sind nicht mehr unbedingt diejenigen, welche in die Berichterstattung aufgenommen werden. Viel wichtiger ist die kurzfristige Aufmerksamkeit der Leser und Zuschauer. Die Tatsache, dass eine Nachricht aufregend sein muss, stammt einzig aus dem Umstand, dass Aufmerksamkeit für die jeweilige Ausgabe von den Werbekunden verlangt wird. Auch kann es geschehen, dass die Ausgewogenheit der Inhalte leidet, weil die Werbekunden nur noch bestimmte Zielgruppen als relevant ansehen. Lange Zeit war es zum Beispiel im deutschen Fernsehen unwichtig, Programme für Personen ab einem Alter von 49 Jahren anzubieten. Die Werbekunden hielten diese in ihrem Kaufverhalten für zu stabil, um mit Werbung noch Erfolge zu erzielen. Inzwischen ist der Unterhaltungsbereich jedoch auch wieder auf die ältere Kundschaft aufmerksam geworden.

Da die Finanzierung durch Werbung erkennbare Nachteile hat, haben viele Medien, allen voran die Printmedien, eine Mischfinanzierung entwickelt. Neben Werbeeinnahmen erzielen sie auch Geld durch den Verkauf der Ausgaben. Eine Zeitung wird nicht mehr kostenlos ausgeteilt, sondern muss von den Kunden bezahlt werden. Je spezifischer die Zielgruppe einer Zeitung oder Zeitschrift ist, desto höher ist meist auch der Verkaufspreis. Dies liegt unter anderem daran, dass die Werbeeinnahmen bei kleineren Auflagen geringer sind, zum anderen daran, dass die redaktionelle Arbeit in der Regel Kosten verursacht, die von der späteren Auflage unabhängig sind. Gleiche Kosten müssen also auf weniger Leser aufgeteilt werden. Die Redaktionen werden durch diese Finanzierung vom Wohlwollen der Werbekunden etwas unabhängiger. Zugleich wird der Leser in einen neuen Status erhoben. Er ist nicht mehr nur Quotenbringer, sondern zugleich auch Kunde, dem ein Service geboten werden muss. Viele Befürworter solcher Bezahlmodelle haben die Hoffnung, dass die Qualität der Berichterstattung von diesem Umstand nur profitieren kann. Unabhängig von der Relevanz der Aufmerksamkeit werden die Redaktionen auf diese Weise allerdings kaum.

Ein drittes Modell kann in erster Linie im Fernsehen beobachtet werden. Die öffentlich-rechtlichen Programme erhalten den größten Teil ihrer Einnahmen durch eine allgemeine Haushaltsabgabe oder in manchen Ländern auch eine Steuer. Diese wird unabhängig von der Nutzung der Medien erhoben und soll eine gesicherte und von äußeren Einflüssen unabhängige Finanzierung des Journalismus ermöglichen.

Der Nachteil dieser Methode ist, dass es nur schwer möglich ist, die Qualität der Berichterstattung zu prüfen und bei Mängeln Korrekturen zu verlangen. Die Sender sind in ihrem Tun unabhängig und weder Politik noch Unternehmen haben die Möglichkeit, Änderungen zu verlangen. Falls es zu inoffiziellen Einflussnahmen kommt, ist es nur schwer möglich, diese aufzudecken und zu verhindern. Selbst die Zuschauer, welche mit der Haushaltsabgabe die Finanzierung stellen, haben kaum eine Möglichkeit, bessere Qualität einzufordern.

Der Online-Journalismus hat in den letzten Jahren diese Finanzierungsmodelle durcheinandergebracht. Noch immer sind die gleichen Säulen auf denen die Finanzierung in allen Medien beruhen. Auch im Internet gibt es die Möglichkeit die Berichte kostenlos und werbefinanziert, kostenpflichtig und werbefrei oder durch Haushaltsabgaben subventioniert zu veröffentlichen. Das Internet hat jedoch einen entscheidenden Vorteil: Die Veröffentlichung von neuen Artikeln ist sehr kostengünstig und schnell durchführbar. Online-Ausgaben von Zeitungen und Zeitschriften können daher für ein wesentlich geringeres Budget eine große Reichweite erzielen. Zudem werden die Leser zeitnäher informiert. Solange die Zeitungen versuchen, ihre Nachrichten vor allem nach Aktualität zu gewichten, haben sie keine Chance, sich gegen die digitale Konkurrenz zu behaupten. Sowohl die Zeitung als auch Rundfunk und Fernsehen müssen sich aufgrund des immer aktuellen Internets eine neue Nische suchen, in welche die Leser folgen möchten. Für die Leser bietet das Internet einen weiteren Vorteil: Selbst wenn die Inhalte nicht kostenlos bereitgestellt werden, muss er nicht für eine Gesamtausgabe zahlen, von der aber nur ein einzelner Artikel interessiert. Die Leser sind im Internet in der Lage, sich die Rosinen bei den unterschiedlichen Anbietern herauszupicken. Doch auch dies hat seine Nachteile. Der Preis für eine ganze Zeitung berechnete sich nach den Kosten für alle Artikel und Recherchen. Der Aufhänger auf Seite 1 konnte auf diese Weise auch die weniger interessanten aber umso wichtigeren Informationen mitfinanzieren. Wird jedoch nur noch für die einzelnen Artikel gezahlt, wird es wahrscheinlicher, dass Recherchen, die keinen Bestseller versprechen, viel zu früh abgebrochen werden.