Ethik

Journalistische Ethik

Der Journalismus wird zu Recht in Demokratien als vierte Gewalt bezeichnet. Für die Meinungsbildung der Bürger ist eine unabhängige Berichterstattung enorm wichtig. Gerade aufgrund der Wichtigkeit dieses Berufszweiges zeigt sich auch die Verantwortung, die hier getragen wird.

C. DuivenDa der Journalismus unabhängig bleiben soll, gibt es jedoch nur wenige Instanzen, welche überwachen, ob diese Verantwortung auch getragen wird. In den meisten freien Ländern stellten die wichtigsten Medien Gremien zur Selbstkontrolle auf. Deutschland, Österreich und die Schweiz verfügen zum Beispiel über jeweils eigene Presseräte, in denen Beschwerden über Fehlleistungen der Journalisten geprüft werden. Allerdings haben alle diese Organisationen mit formalen Schwierigkeiten zu kämpfen. In Österreich beispielsweise fehlt dem Rat die Anerkennung durch die von ihm kontrollierten Medien. In Deutschland dagegen wird dem Rat vorgeworfen, dass er keine geeigneten Sanktionsmaßnahmen hat und daher überflüssig sei. Im Grunde bleibt daher der Presse insgesamt nur, sich selbst und gegenseitig zu kontrollieren, was zum Beispiel in Nordeuropa sehr gut zu funktionieren scheint. Rügen und andere Hinweise auf Verfehlungen werden von den betroffenen Medien freiwillig den Lesern mitgeteilt. Die Redaktionen bemühen sich darum, den Kodex, dem sie sich selbst verpflichtet haben, einzuhalten und Fehler offen zuzugeben. Beobachtet man die Pressekultur in Skandinavien und in Deutschland oder Österreich, erkennt man, dass diese Selbstkontrolle tatsächlich zu einer ethischeren Haltung der Journalisten führen kann.

Allgemein anerkannte Grundsätze sind zum Beispiel, dass in redaktionellen Inhalten Fiktion und Fakten strikt voneinander getrennt werden. Auch Meinungen sollen stets deutlich als solche gekennzeichnet werden. Zudem verpflichten die Journalisten sich zu sorgfältiger Arbeit, bei der Irrtümer möglichst ausgeschlossen sein sollen. Eine einzige Quelle gilt demnach noch nicht als zuverlässig, wenn die Information nicht auf anderem Wege verifiziert werden kann. Auch werden alle Reporter dazu angehalten, in Konfliktsituationen beiden Seiten die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken. Die Verbreitung von diskriminierenden Schriften oder anderen Berichten, welche die Würde der Betroffenen nicht achten, soll vermieden werden. Die genaue Formulierung der Richtlinien unterscheidet sich in den unterschiedlichen Ländern, doch allen gemeinsam ist die Ansicht, dass der Journalismus Neutralität bewahren muss. Wo die Selbstkontrolle nicht funktioniert, versuchen oft kleinere Redaktionen die Verstöße der größeren ans Tageslicht zu bringen, damit die Leser zumindest Medienübergreifend eine Möglichkeit erhalten, sich ein neutrales Bild von den Ereignissen zu verschaffen. Durch die oft sehr großen Unterschiede in den Reichweiten ist dies jedoch nur sehr unzureichend möglich.